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Des Glück is a Vogerl

Heute Morgen habe ich mit einer netten Dame telefoniert. Sie hat sich erkundigt, wie eine Behandlung bei Allergien aussieht, die sich plötzlich bei ihr eingestellt haben. Eine monatelange Behandlung mit Antibiotika hat offensichtlich ihr Immunsystem geschwächt. Nach der Freude über die gelungene Behandlung beim Hausarzt ist nun die Ernüchterung gekommen und ein neues Problem aufgetreten.

 

Die Wiener kennen dazu ein Lied:

 

"Des Glück is a Vogerl,

gar liab aber scheu,

es lasst sie schwer fangen,

aber fort gflogn is glei."

 

Dr. Russ Harris, ein Psychotherapeut aus Australien, hätte dazu eine gute Antwort. In seinem Buch mit dem Titel: Wer dem Glück hinterher rennt, läuft daran vorbeizeigt er, wie gerade die Anstrengungen, die wir unternehmen, um das Glück zu finden uns davon abhalten, das Glück zu erreichen. 

 

So hat sich mit dieser Dame auch ein Gespräch über die Wiener ergeben. Über die gemütlichen Kaffehäuser und den Charme der Wiener. Das tat gut. Dieses Gespräch. Weil es sowohl meine zukünftige Patientin als auch mich an schöne Erlebnisse erinnert hat.

Es braucht nämlich nicht immer grossartige Anstrengungen um ein bischen Glück einzufangen. Manchmal reicht auch ein Lächeln oder der Austausch schöner Erinnerungen. 

 

Nun, die Dame wird ihre Allergien bestimmt nicht nur mit netten Erinnerungen los, dazu braucht es schon mehr. Aber sicher ist, dass bereits das angenehme Telefonat ein erster Schritt in die richtige Richtung ist. Studien haben gezeigt, das auch das Verhältnis Arzt/Therapeut zu Patient eine wesentliche Rolle bei der Heilung spielt. Denn nur wenn Vertrauen und Sicherheit vorhanden sind, ist Heilung möglich.

 

Ich würde sagen ohne Vertrauen und Sicherheit gibt es keine Heilung. Das Teilen positiver Erlebnisse schafft meiner Meinung nach erst den Boden, auf dem Vertrauen und Sicherheit wachsen können. Als Therapeutin möchte ich nicht die Coole, alles Wissende sein, sondern ein Mensch mit ganz normalen Wünschen und Wehwechen, so wie meine Patienten eben. Deswegen sollte auch Zeit für ein paar private Worte sein.

 

Zurück zum Glücksvogel: Ja, er ist scheu, aber wenn man sich Zeit nimmt für das Gegenüber, dann wird er auch neugierig und kommt geflogen. Setzt sich vielleicht ganz in die Nähe und zwitschert sein Lied. Auch bin ich dafür , dass wir ihn nicht einfangen, sondern uns einfach an ihm erfreuen, solange er in der Nähe ist. Wetten, das hilft?

 

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