· 

Negatives in Positives verwandeln

Gestern hatte ich ein spannendes Gespräch  mit einer Patientin.

 

Frau Brunner ich komme allmählich besser mit meiner Depression zurecht, aber die negativen Nachrichten im Radio und im Fernsehen machen mich immer noch ziemlich ängstlich und hilflos. Der Bürgerkrieg in Syrien, die militärische Situation in der Ukraine, Unwetter in Österreich, Brände in den USA. Es hört überhaupt nicht auf.

 

Wie recht sie hat. Manchmal scheint es, als gäbe es nur noch dunkle Wolken am Himmel. Dabei steht die Adventszeit vor der Türe, mit all dem Glanz und dem verheissungsvollen Licht am Ende des Tunnels.

 

Forscher haben festgestellt, dass wir auf negative Nachrichten stärker und schneller reagieren, als auf positive.

 

Nachrichten über Blut, Mord und Krieg machen sich lauter bemerkbar als die über Liebe, Glück und Freude. Unsere Tendenz, schneller auf das Negative zu reagieren stammt wohl aus einem Schutzmechanismus. Sie hilft uns Gefahren schneller zu erkennen, um unser Überleben zu sichern. Aber in der heutigen, komplexen Welt mit dem Bombardement an "Negativen Neuigkeiten", kann uns die Fähigkeit zum kraftvollen, freudigen Leben abhanden kommen, wenn wir nicht bewusst wählen, wie wir mit diesen Nachrichten umgehen wollen.

 

Bewusst wählen? Ja, das geht.

 

Wir können unsere Aufmerksamkeit auch auf die helle Seite des Lebens lenken. Das hat nichts mit positivem Denken zu tun, sondern eher mit der Fähigkeit, die persönliche Widerstandsfähigkeit zu stärken.

 

Die gute Nachricht ist, dass bereits eine kleine Dosis an positiven  Emotionen reicht, um widerstandsfähiger zu werden.

 

Dankbarkeit, Liebenswürdigkeit, der Kontakt mit Menschen, die einem gut tun, kann die negative Spirale wieder in die positive Richtung bewegen. Epiktet, einer der Begründer des Stoizismus, einer Philosophischen Richtung die die Gelassenheit fördert, sagt dazu:

 

Wenn ein Rabe unheilverkündend krächzt,

lass dich nicht von deiner Vorstellung hinreissen,

sondern kläre sogleich dein Denken und sage dir:

Für mich gibt es nur Glück verheissende Vorzeichen,

wenn ich es will.

Was immer davon eintreffen mag,

von mir hängt es ab,

ob ich Nutzen daraus ziehe.

 

 

Ich habe der Patientin geraten, statt der Nachrichten ihre Lieblingsmusik zu hören und für eine Woche ein Experiment zu versuchen:

 

Wenn Sie das nächste Mal mit negativen Nachrichten konfrontiert werden,

versuchen Sie diesen mit Neugier und einer offenen Haltung zu begegnen.

Machen Sie sich bewusst, dass Sie aus diesen Erfahrungen lernen können.

Stärker werden können. Wachsen werden. 

 

Überlegen Sie auch, wie viele negative Nachrichten in ihrem Leben sich im Laufe der Zeit zu einer sinnvollen und positiven Tatsache gewandelt haben: Der Umzug ins Nachbardorf sich als besser gezeigt hat, als sie dachten. Die Kündigung zu dem Job geführt hat, den Sie immer schon machen wollten. Oder die Notwendigkeit zu Sparen Sie dazu inspiriert hat, ihre Torten und Kuchen selbst zu backen.

 

Fragen Sie auch mal in ihrem Bekanntenkreis nach, welche Erfahrungen mit "Negativem" gemacht wurde. Sie werden wahrscheinlich überrascht sein von unserer faszinierenden Fähigkeit, aus Negativem Positives zu machen. Ich finde der Mensch ist etwas ganz Besonderes. Wir besitzen diese unglaubliche Kraft, uns am eigenen Schopf aus dem Wasser zu ziehen. Ist das nicht etwas, über das wir uns freuen dürfen?

 

Ihre Brigitte Brunner

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Emi (Donnerstag, 29 November 2018 17:32)

    Die Worte Epiktets sind nach wie vor so stark und durchdringend, das es erschreckend ist. Solange wir verstehen, dass nichts von den "negativen Nachrichten" uns Schaden kann, sondern nur unser Urteil darüber, werden wir heiter durchs Leben gehen.

    Eigentlich schön, das zu wissen.

    Danke für diesen tollen Blogpost!

  • #2

    Eva (Freitag, 30 November 2018 10:16)

    Einfach wunderbar geschrieben!�

  • #3

    Brigitte Brunner (Freitag, 30 November 2018 17:51)

    @ Eva: Vielen Dank für das Feedback, es motiviert mich weiter zu schreiben!

    @Emi:Danke auch dir. Du bist anscheinend auch ein Leser des Handbüchleins. mach weiter so.

  • #4

    Annik (Sonntag, 02 Dezember 2018 13:08)

    Hat perfekt zu meiner aktuellen Situation gepasst. Danke.