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Die Perspektive wechseln

Gestern habe ich ein Formular ausgefüllt. Es ist das Formular zur Anmeldung für die Corona Erwerbsentschädigung. Der Bundesrat hat unbürokratische, rasche Hilfe versprochen und  er hat sein Versprechen gehalten. Dennoch gibt es Mitbürger, sowohl in der Schweiz als auch in Österreich,  die sich beklagen und über das langsame Service oder überlastete Server beschweren. Da fehlen mir manchmal die Worte!

 

Wir haben es mit einer Pandemie zu tun, deren Auswirkung wir noch nicht einmal erahnen und da beschwert man sich, weil es "zu langsam " geht?

 

Schon mal überlegt wie es den Menschen zu Zeiten der Pest ergangen ist?  

 

Machen wir doch ein kleines Gedankenspiel:

 

Wir zählen das Jahr 1351.  Rudolf IV., der Stifter,  war 12 Jahre alt und wusste bestimmt noch nicht, dass er in nur 7 Jahren den Grundstein für den Südturm des Stephansdoms setzen würde.  Die Stadt Zürich tritt dem Bund der Eidgenossen bei und in Florenz  schreibt Boccaccio an seinem Decameron, einer Schilderung der Pest und ihrer Auswirkung auf den Florentiner Adel, der sich in Alkohol und Sex ertränkte, während massenhaft Menschen starben. Es beschreibt wozu Menschen fähig sind, wenn sie den Glauben verlieren. 

 

Die Pestepidemie in Europa erreichte ihren Höhepunkt. Innerhalb von 6 Jahren (von 1347 bis 1353) wurden mehr als 25 Millionen Menschen vom Schwarzen Tod hinweggerafft. Ein kleines Bakterium, das yersinia pestis, schaffte es ein Drittel der europäischen Bevölkerung auszulöschen. 

 

Die Menschen reagierten auf diese Bedrohung nicht anders als wir heute: Die einen begannen zu beten und zogen zu Hunderten durch die Städte, predigten, sangen und geisselten sich und hofften so Gott wieder gnädig zu stimmen. Die anderen (nachzulesen oder zu sehen im Film Decameron) feierten bis zur Besinnungslosigkeit. Die Kirche, auch damals in der Krise. büsste weiter an Glaubhaftigkeit ein.

 

Wie ging es den Menschen wohl damals? Den Familien? Den alten Mitbürgern? Den Kranken?

 

Konnten die auch ein Formular aus dem Internet herunterladen. Eventuell mit einer Tasse Kaffee in der Hand? Gemütlich von ihrem warmen Wohnzimmer aus?

 

Natürlich nicht! Zuerst wurden die Häuser in denen es Erkrankte gab mit einem Kreuzzeichen gekennzeichnet, damit jeder wusste, dass es dort gefährlich war, sich aufzuhalten. Schliesslich wurden die Erkrankten vor die Stadtmauern gejagt. 

 

Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und stellen Sie sich dieses Szenario lebhaft vor! 

 

Und dann überlegen Sie noch einmal ganz in Ruhe ob es uns heute wirklich so schlecht geht?

 

Denn egal was kommt, wir sind geschützt durch unsere Verfassungen unsere Rechtsprechung und durch unsere gesetzlichen Vertreter. Wir haben noch immer ein funktionierendes Gesundheitswesen, soziale Dienste, fantastische Non-Profit-Organisationen. Unsere Kinder lernen weiter, wenn auch zu Hause. Wir sind vernetzt wie noch niemals zuvor in der Menschheit: Ein Click und ich bin mit  meinem Sohn verbunden, der 1000 Kilometer von mir entfernt lebt.

 

Wir sollten diese Wochen  nützen um wieder etwas mehr Dankbarkeit zu praktizieren. Wir leben in einer wunderbaren Welt, wer dies nicht mehr erkennen kann sollte die obige Übung machen. Sie könnte hilfreich sein!

 

Bleiben Sie gesund!

Brigitte Brunner

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Jörg Brunner (Mittwoch, 25 März 2020 16:41)

    Gut recherchiert und aufbereitet. Heute wird nun weiter Geschichte geschrieben.

  • #2

    Brigitte Brunner (Freitag, 27 März 2020 16:27)

    So ist es! Mercie!