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Dummes Huhn oder was?

Mein Küchentisch steht vor einem grosszügigen Fenster. Mit der Kaffeetasse in der Hand überblicke ich dabei einen wichtigen Ausschnitt meines Dorfes , dessen Anfangsbuchstaben meinen Initialen gleichen: Biel wie Brigitte und Benken wie Brunner. (Die Neugierigen dürfen sich jetzt auf die Suche bei Google machen.)

 

Links von meinem Küchentisch überblicke ich  eine kleine Dorfstrasse, die sich an einem Pferdeparcours, einer saftig grünen Wiese und einem  Stall auf dessen Hinterseite zwei  Rappen ihren Auslauf  geniessen.  

 

Beim Trinken aus der Tasse, also wenn ich den Kopf gerade halte und meine Nase im duftenden Kaffeearoma bade, sehe ich, idyllisch gelegen, versteckt hinter zwei Bäumen, einen Teil des Parkplatzes  unseres Dorfwirten, der gleichzeitig auch ein begnadeter Bauer mit einem feinen Dorflädeli ist, das sich nicht weiter als drei Minuten von mir entfernt befindet. In Zeiten mit vor Angst strotzenden  Supermarkt-Fans ein wahrer Segen. Aber darum geht es nicht. Ganz und gar nicht. Etwas ganz anderes hat sich vor Kurzem zugetragen.

 

Während ich mit Blick auf das vom Corona-Virus leergefegte Dorfgässchen blicke und über bessere Zeiten nachdenke sehe ich doch tatsächlich, keine 50 Meter vor mir, ein Huhn spazieren gehen.

 

Nein Leute, das ist echt kein Scherz. Auch keine Folge meiner Corona- oder sonstiger Isolation.

 

Da spaziert doch völlig entspannt ein  klassisches Haushuhn die Strasse entlang. Pick dort an einem Steinchen herum, stochert in der Wiese und geniesst offensichtlich seinen Spaziergang durch das Dorf. Und ich hocken hier drin und sollte so wenig wie möglich das Haus verlassen. 

 

Ist anscheinend doch nicht so dumm das Huhn denke ich. Des einen Leid, des anderen Freud.

 

Während an Vor-Corona-Tagen viele Herrchen oder Frauchen mit ihren Hundelieblingen hier entlang schlendern hätte es sich bestimmt nicht aus seinem Gehege gewagt. Flocki, Bodo oder Balu könnten Appetit auf das Federvieh bekommen.

 

So dumm sind Hühner also nicht, dass sie sich der Gefahr aussetzen als Flockis Jagdtrophäe zu enden. Im Gegenteil, Haushühner beherrschen listige Täuschungsmanöver und sind fähig Entscheidungen aufgrund früherer Erfahrungen zu treffen. (Spektrum.de, 22.4.2015)

 

Wir Menschen vernebeln uns die Sicht auf die Dinge wie sie wirklich sind mit unseren Vorurteilen.

 

Die Tatsache dass dieses Gallus Domesticus (der lateinische Name für Haushuhn) ausgerechnet während der Corona Restiriktionen spazieren geht, beweist bereits, das es weiss wann der richtige Zeitpunkt für einen Dorfspaziergang gekommen ist. Oder? Um die Folgen seines Handelns abschätzen zu können braucht es allerdings einen gewissen Grad an Intelligenz. Dieses Huhn scheint ihn erreicht zu haben. 

 

Hier noch ein paar spannende Fakten über Hühner:

  1. Küken kommunizieren bereits im Ei miteinander. Sie verständigen sich durch Pieptöne  Experten für Hühnerhaltung sehen das als den Grund an, warum die Küken meist gleichzeitig schlüpfen.
  2. Wissenschaftler haben auch entdeckt, dass es mindestens 20 verschiedene Gackertöne gibt. Vor allem wenn Hühner etwas zum Fressen gefunden haben gackern sie. Wer einmal unsere Grossfamilie beim Grillen beobachtet hat weiss, wovon ich schreibe!
  3.  Weibliche Hühner beherrschen die perfekte Verhütungsmethode: Ist ein Huhn nicht damit einverstanden, dass ein Hahn es befruchtet hat, kann es das Sperma ausstossen. Das hat der britische Evolutionsbiologe Tim Birkhead herausgefunden.

 

Wenn Sie diese Zeit der Isolation nützen wollen um mehr über unsere Hühner zu erfahren, klicken Sie bitte auf diesen Link und staunen Sie. Hühner sind klüger als wir denken!

 

Ich wünsche Ihnen einen lehrreichen Tag

Brigitte Brunner

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Joerg Brunner (Mittwoch, 25 März 2020 16:45)

    Wieder ein interessanter Aspekt über Kausalität. Schreib doch ein Coronatagebuch für die Nachkommen und gegen unser Vergessen.

  • #2

    Brigitte Brunner (Freitag, 27 März 2020 16:28)

    Bin dran!!