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Der Schatz vor unserer Haustür

Das Bild von heute zeigt die wunderschöne Au in Hohenau an der March, meinem Heimatdorf in Österreich. Meine Schwester hat es mir heute morgen nach einem ausgiebigen Telefonat zugesandt. Wie tausende von Geschwistern, Söhnen, Töchtern, die in der Welt verstreut leben,  verbringen auch wir regelmässig Zeit am Telefon. Dank WLAN kostet uns dass nur noch einen kleinen Teil des Betrages, den wir zahlen mussten, als ich vor 20 Jahren nach Amerika zog. Nun, da ich in der Schweiz lebe und auch oft in Hohenau bin, tauschen wir uns fast täglich über die kleinen und grossen Freuden und Ärgernisse aus. 

 

Wir hatten schon vor Corona einen morgendlichen Fixpunkt zum Tratsch. Mit einem Häferl Kaffee in der Hand, geduscht und bereit für einen neuen Arbeitstag, trafen wir uns Montag bis Freitag, täglich zum Schwestern-Chat. 

 

In Zeiten von Corona finden diese Treffen nun auch am Wochenende statt. Danke liebe Schwester! Es ist erstaunlich wie sehr sich unsere Erfahrungen gleichen: Wir leben beide in einem Dreiländereck. Wir lieben beide die Natur und Spaziergänge im Wald mit Hund (ich darf mir manchmal einen Scotty ausleihen!) und wir gehen beide mit offenen Augen durch diese Tage.

 

In Hohenau, wie auch hier in Biel-Benken machen viele Menschen ihrer Verunsicherung mit langen Spaziergängen Luft. Man sieht mehr Familien mit Kindern. Mehr Jugendliche , viele ältere Mitbürger. Man sieht auch Menschen, die sonst selten unterwegs sind. Schön, so bringt Krise vielleicht auch jene hinaus in die Natur, die sonst mit dem Auto von Shopping Mal zu Shopping Mal brausen. 

 

Allerdings ist uns ein grosser Unterschied aufgefallen: Die Wälder und Wiesen in meiner Umgebung sind genau so sorgfältig gepflegt, wie vor der Krise. Weder liegen Hundesäckli auf den Wiesen herum und schon gar nicht leere Aluminium Dosen oder Plastiksäckli. Keine Reste von Familienpicknicks, obwohl es hier im Leimental einige Stellen gibt, an denen man seine Chlöpfer (schweizerisch für : Knackwurst) braten kann. 

 

Meine Schwester geht täglich mit ihrem Hund in die Au. Sie liebt dieses Fleckchen Erde, nicht nur weil sie weiss, dass Hohenau zum Natura 2000 Naturschutzgebiet der EU zählt. Was für ein Schatz in den heutigen von Umweltkatastrophen und Gesundheitskrisen gebeutelten Zeiten.  Dieses Gebiet gilt auch eines der wichtigsten Durchzogs- Rast- und Gastvogelgebiete Österreichs. Die March-Thaya-Auen zählen zu den faszinierendsten Aulandschaften Mitteleuropas. Weissstörche, Schwarzstörche, Biber, Grau- und Silberreiher, Rotkehlchen, Spechte und und und..... Manchmal ist einem gar nicht bewusst, welchen Schatz man besitzt. 

 

Hüten Sie diesen Schatz wie ihren Augapfel!!! Es gibt nicht mehr viele davon auf unserer ausgebeuteten Erde. Und falls sie beim nächsten Spaziergang in der Au einem  Plastiksackerl, einer Aluminium - oder Plastikdose begegnen, nehmen sie sie einfach mit und entsorgen sie dorthin, wo sie hingehört! 

 

Es ist Zeit mehr Demut vor unserer Natur zu aufzubringen. Denn falls es noch immer nicht klar ist: Wir sind ein Teil der Natur. Auch wenn wir meinen, uns über diese Grundwahrheit hinwegsetzen zu können!

 

Was wir der Natur antun wirkt früher oder später auch auf uns! In Zeiten, wo uns ein mikroskopisch kleiner Virus völlig aus dem Gleichgewicht bringt und unser gesamtes Leben auf den Kopf stellt sollten wir das eigentlich wissen!

 

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

 

Brigitte Brunner

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Brunner Joerg (Samstag, 28 März 2020 12:13)

    Schöner Aufsatz