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Tipp gegen die Einsamkeit

Egal welche Zeitung man heutzutage aufschlägt, welchen Radiosender man einschaltet, ununterbrochen hört man die Klage von der schrecklichen Einsamkeit, die nun alles plagt. Die alten sind einsam, da sie keine Besuche mehr erhalten dürfen, die Jugendlichen sind einsam, da sie ihre Clique vermissen, die Singles sind einsam, da sie in keiner Bar der Welt derzeit dem Barkeeper von ihrem anstrengenden Tagesablauf erzählen können.

Auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache aber ich muss es einfach loswerden: Ich halte dieses Gejammer nicht mehr aus!

Sind wir denn wirklich so eine egozentrische Gesellschaft geworden, dass wir nicht einmal angesichts der Gefahr überfüllter Intensivabteilungen für ein paar Wochen davon ablassen können uns ständig als "Opfer" zu sehen?

Einsamkeit ist kein Ergebnis von Corona. Es gehört zu unserem Leben wie das Gefühl hungrig zu sein, oder Durst zu haben. Der Wechsel in eine neue Schule, der Tod des Lebenspartners oder die Situation einer Scheidung, Arbeitslosigkeit, Krankheit, es gibt etliche Gründe, die das Gefühl, einsam zu sein in uns hervorrufen können. 

 

Ich beobachte an den Reaktionen und am Verhalten der Menschen, dass Covid-19 wie ein Vergrösserungs-Spiegel wirkt: Er zeigt uns erbarmungslos, was wirklich Sache ist.  In Bezug auf die Einsamkeit ist die Wahrheit, dass wir nicht nur unter Alterseinsamkeit leiden. 

Nach zwei Meta-Analysen in den Jahren 2010 und 2014 kommt die Psychologin Julianne Holt-Lunstad zu der Erkenntnis, dass vor allem in den Wohlstandsländern Einsamkeit zu einem grossen Problem geworden ist. Sie spricht in diesem Sinne von "Einsamkeitsepidemie". 500 Freunde bei Facebook helfen da gar nicht. Es sind unsere Kontakte zur Familee, unser Freundeskreis und der Austausch mit Arbeitskollegen oder Nachbarn, der uns das Gefühl vermittelt, dazuzugehören und jemanden um sich zu haben, dem man trauen kann.

 

Das Gefühl, einsam zu sein kann als Warnsignal verstanden werden ,das uns auffordert, aktiv zu werden. Und hier liegt auch schon die Lösung des Problems. Nicht für alle, aber für viele:

 

Es kann sehr hilfreich sein, die Perspektive zu wechseln.

 

Sattt "Oh Gott bin ich einsam" folgendes zu überlegen: Wem kann ich helfen? Wie kann ich mich nützlich machen? Muss es wirklich sein, dass die "Kleinen" den "Alten" vorsingen? Oder könnte es vielleicht sogar so sein: Dass die "Alten" den "Kleinen" vorlesen"?

 

Wie viele "Alte" backen die fantastischen Kuchen? Könnten Sie nicht damit die vielen Helfer erfreuen, die in Spitälern, Pflegeheimen oder Supermärkten für das Wohl aller täglich ihre Gesundheit aufs Spiel setzten? Müssen wir wirklich die Einsamkeits-Hotline anrufen oder gibt es vielleicht im Nachbarhaus jemanden, der sich ebenso einsam fühlt und sich über ein paar Worte freuen würde. Wir brauchen nicht für alle Probleme einen "Fachmann"". Manchmal braucht es nur den Hausverstand!

 

Soeben hat mein Telefon geläutet. Eine Patientin 85 Jahre jung! Sie hat mich nicht angerufen weil sie einsam ist oder Kräuter benötigt. Sie hat mich einfach angerufen um zu fragen wie es mir geht! Ist das nicht schön? 

 

Einen besseren Schluss kann ich kaum für diesen Blog finden. Ich werde ihn jetzt beenden und meine liebe Patientin zurück rufen! Und ausgiebig mit ihr plaudern! In Zeiten con Corona ist vieles möglich! Traun Sie sich!

 

Und bleiben Sie zu Hause!

Brigitte Brunner

 

 

 

 

 

   

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Kommentare: 1
  • #1

    Maria wiesenegger (Dienstag, 07 April 2020 11:13)

    Wie recht du hast, liebe gitti. Genau das mache ich. Eine liebe nachbarin geht mir einkaufen. Ihre kleine tochter darf kein weizenmehl, milchprodukte u zitrusfrüchte essen. Daher backe ich ihnen jeden 2. tag einen kuchen, welchen sie essen darf. Es ist mir eine freude, wenn sie den kuchen holt u ihre augen zu strahlen beginnen und hmmmmmm riecht der lecker njam njam njam sagt.
    Einsam sind die, die sich nie zeit für sich selbst genommen haben. Glaube ich.
    Liebe Grüße deine freundin maria