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Rückkehr zur Normalität?

Wir atmen auf. In der Schweiz, in Österreich, sogar in Italien überlegt man die nächsten Schritte. Heraus aus der Isolation heisst es da, zurück zur Normalität! Man lasse sich diese Buchstabenfolge einmal auf der Zunge zergehen:

N O R M A L I T A E T !

 

In der Soziologie versteht man unter "Normalität" das Selbstverständliche in einer Gesellschaft, das nicht mehr erklärt und über das nicht mehr entschieden werden muss. Wollen wir das tatsächlich?

 

Wieder zurück in einen Tagesablauf, der die wunderbaren menschlichen Fähigkeiten und Talente von Kindern, Eltern und Grosseltern, Jungen und Alten auf einen einzigen Nenner zusammenschrumpfen lässt? Und zwar den eines Konsumenten? Müssen wir tatsächlich in diesem verrückten Tempo weiterleben, wie vor Corona?? Unsere Tage in künstlich beleuchteten Bürotürmen verbringen, in überlauten Fabriken, auf verstopften Autobahnen um das Geld zu verdienen, welches wir bei der nächsten Gelegenheit wieder ausgeben müssen, damit unser vom Wachstumswahn geprägtes Wirtschaftssystem weiter bestehen kann?

 

Ist es "normal" unsere Kinder, die mehr Stunden am Tag "arbeiten" als wir und zwar in der Schule und dann noch zu Hause beim "Hausaufgaben machen, mit Ritalin  ruhig zu stellen? Ist es "normal" die Generationen, welche für diesen Wohlstand gesorgt haben in Altersheimen abzuschieben? Ist es "normal" Familie, Gesundheit, Freizeit  und vor allem Lebenszeit für Geld einzutauschen, dass wir sofort wieder für Dinge ausgeben die wir kaum brauchen und die uns im schlimmsten Fall sogar krank machen können?  Ist es normal, dass wir unsere Lebenszeit vergeuden dafür, dass es einigen wenigen ganz gut geht, dem grossen Rest aber ziemlich schlecht?

 

Corona fragt uns täglich: Was brauchen wir wirklich zu einem guten Leben?

 

Der Virus wird uns nicht so schnell verlassen, wie uns lieb ist. Nützen wir seine Anwesenheit. Beantworten wir uns wichtigste Frage unseres Lebens:

 

Wie könnte die neue "normale" Welt aussehen in der es den Menschen und dem Planeten wirklich gut geht? Und zwar allen und nicht nur einigen wenigen?

 

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Nachdenken!

Brigitte Brunner

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Ben Treu (Sonntag, 19 April 2020 18:35)

    Ein fantastischer Beitrag Brigitte!

    Ja, ich hoffe zutiefst dass endlich ein Umdenken in unserer vom Konsum getriebenen Welt stattfinden wird. Ich habe mich bereits vor Jahren dem 'unnötigen' Konsum entsagt und mir fehlt es an absolut nicht. Im Gegenteil. Jetzt in der aktuellen Situation merke ich wie entspannt und relaxed ich im Vergleich zu vielen anderen mit der derzeitigen Lage umgehe.

    Eine weiterhin ruhige Zeit und viele weitere Gedanken zum Nachdenken wünsch' ich Dir und uns Allen.

    Alles liebe,
    Ben Treu

  • #2

    Emi Treu (Sonntag, 19 April 2020 18:59)

    Corona zeigt uns 2020 das, was uns Epiktets Handbüchlein der Moral vor 2500 Jahren gezeigt hat:

    Die Umstände obliegen nicht unserer Kontrolle, aber der Umgang damit sehr wohl.

    Viel Spaß uns allen mit dieser Möglichkeit�

    Toller Blog-Beitrag,
    Emi

  • #3

    Christa (Montag, 20 April 2020 09:43)

    Wunderbar geschrieben!